Für «Hörmal» heissts jetzt «Spartmal»
Lokalradio/ Müssen, sollen, können sich die Berner Kirchen das Lokalradioprojekt «Hörmal» noch leisten? Im Moment wird gerechnet.

«Hörmal», das Berner Lokalradioprojekt mit angegliedertem Hörbuchverlag, ist wieder einmal an einem Wendepunkt: Der Betrieb ist defizitär, die Geldgeber wollen einen neuen Leistungsvertrag. Es fragt sich: Kann das heutige Angebot erhalten bleiben? Und wenn nein: Was sind die Alternativen?

Pionierhafte Vergangenheit. «chrüz und quer», die Vorgängerin von «Hörmal», war in den Achtzigerjahren ein kirchliches Vorzeigeprojekt: ein Lokalradioprogramm, das sich religiöser Fragen annahm – und zwar frisch, frech und gar nicht fromm, dafür ökumenisch und interreligiös. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Bern (AKiB) finanzierte die Sendungen, die ursprünglich über Radio Förderband ausgestrahlt wurden. Und in Kirchenkreisen war man allenthalben stolz, so professionell und prominent am Radio präsent zu sein. 2002 gewann eine «chrüz und quer»-Produktion den Berner Radiopreis, und eine Umfrage zeigte, dass rund neunzig Prozent des Publikums der Sendung Bestnoten gaben. Das waren immerhin wöchentlich über tausend zufriedene Hörerinnen und Hörer. Oder mit den Worten von Pierre Kocher: «ein gut gefülltes Münster».
Schwierige Gegenwart. Die Zahlen sind heute nicht wesentlich anders. Die Rahmenbedingungen hingegen schon: Die Kirchgemeinden und Pfarreien müssen sparen und fragen sich zunehmend, ob «Hörmal» noch zum Kerngeschäft gehört. Inzwischen sind einige Kirchgemeinden als Geldgeberinnen abgesprungen (Worb, Köniz) oder haben ihren Beitrag reduziert (Belp, Muri-Gümligen). Heute stehen den «Hörmal»-Machern für Infrastruktur und 140 Stellenprozente jährlich noch knapp 270 000 Franken zur Verfügung. 20 000 weniger als 2008.

Unsichere Zukunft. Und die Sparübung geht weiter. Eine Arbeitsgruppe der AKiB entscheidet in den nächsten Monaten, wie der neue Leistungsvertrag aussehen soll. «Jeder weitere Abbau geht an die Substanz», ist für Pierre Kocher klar. Wöchentliche Radiosendungen könne man mit einem nochmals reduzierten Budget wohl vergessen, allenfalls «noch fürs Internet produzieren». Das heisst: Audiobeiträge und Hörbücher aufs Netz stellen, die gegen Bezahlung heruntergeladen werden könnten. Einen entsprechenden Vorschlag hat Kocher kürzlich den Geldgebern unterbreitet. Erste Erfahrungen hat man damit bereits gemacht. Mit Erfolg.
Als langjähriger Radiomann ist Kocher überzeugt, dass Hörangebote «ein anspruchsvolles Randpublikum» immer noch erreichen: «Menschen, die nicht im engeren Sinn religiös sind, sich aber mit existenziellen Themen, mit Lebenskunst und Lebensgeschichten vertieft beschäftigen wollen.»
Ähnlich sieht es der Kommunikationsverantwortliche der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Thomas Gehrig könnte sich Partnerschaften über die Kantonsgrenzen vorstellen: «Aber der Ball liegt bei der AKiB.»

Entscheidendes Jahr. Mit der Hörbuchproduktion war «Hörmal» in den letzen drei Jahren recht erfolgreich. Dennoch gabs 2009 ein Defizit von 30 000 Franken. Pierre Kocher findet das «nicht so tragisch». Einiges könne 2010 durch Einsparungen wieder wettgemacht werden – aber: «Ohne eine gewisse Investitionsbereitschaft kann man in diesem Markt nicht bestehen.» Er weiss genau, dass er mit solchen Sätzen eher wie ein Kleingewerbler tönt und nicht wie der Empfänger von Kirchengeldern. Und er weiss auch, dass das Schicksal letztlich in den Händen der kirchlichen Geldgeber liegt. 2010 wird ein Schicksalsjahr. Einmal mehr. Rita Jost

Wendepunkt
Das Radioprogramm von «Hörmal» wird – vorläufig noch – jeden Sonntag von Radio RaBe (9.00) und montags auf Radio Freiburg (20.00) ausgestrahlt. Ob die Macher sich künftig ganz aufs Internet konzentrieren, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

Informationen zu Angebot und Programm: www.hoermal.ch