| Erstellt: 26.09.2009 14:15:32 | |
«Die Religionsfreiheit ist ein universales Freiheitsrecht. Dazu gehört auch der Bau von Gotteshäusern,wie sie in der jeweiligen Religion üblich sind: Darum lehnen wir die Minarett-Initiative entschieden ab», erklärt Thomas Wipf, Vorsitzender des Schweizerischen Rats der Religionen (SCR) und Präsident des Evangelischen Kirchenbunds (SEK). Erstmals tritt damit der SCR, Plattform der Schweizer Christen, Juden und Muslime, mit einer gemeinsamen Stellungnahme an die
Öffentlichkeit. Die Minarett Initiative, über die am 29. November abgestimmt wird, instrumentalisiere die Religion für politische Zwecke und schüre Misstrauen gegen Menschen muslimischen Glaubens.
Debatte. Gleichzeitig zeigt der Rat der Religionen aber Verständnis «für Befürchtungen in der Bevölkerung», die in den Unterschriften für die Initiative zum Ausdruck kämen: «Welche Botschaft wird in den Moscheen gepredigt? Welche Bedeutung haben aus islamischer Sicht die Menschenrechte und die Gleichberechtigung von Mann und Frau?» Darüber müsse diskutiert werden, denn es gebe «ernst zu nehmende Unterschiede» zwischen den Religionen. Doch ein Minarett-Verbot verunmögliche diese Debatte, weil es die Muslime ausgrenze statt integriere. Der SCR diskutierte auch die «besorgniserregende Situation»christlicher und jüdischer
Minderheiten in islamischen Ländern. Aber er lehnt es ab, «Unrecht in andern Ländern mit Unrecht in der Schweiz zu vergelten», und will sichstattdessen weltweit für Religionsfreiheit einsetzen. Allerdings zeigen sich innerhalb des Rats der Religionen beachtliche Differenzen. Thomas Wipf etwa erwartet
von den muslimischen Organisationen, «die sich in der Sicherheit des Schweizer Rechtsstaats bewegen», ein klares Wort zum Unrecht gegenüber religiösen Minderheiten in islamischen Ländern. Farhad Afshar hingegen, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, setzt auf die «Vorbildfunktion» des SCR: «Ich wünsche mir auch für islamische Länder einen Rat der Religionen.» Wer abererwarte, dass Schweizer _Muslime in islamischen Ländern in Menschenrechtsfragen inter-
venieren könnten, überschätze deren Einfluss. Die islamischen Organisationen verurteilten die Gewalt, hätten aber keine Möglichkeit, die bedauerlichen Verhältnisse zu verändern. Auf Wipfs Aufruf, sich an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen, reagiert Afshar zurückhaltend: «Die Minarett-Initiative zielt ja nicht auf uns Muslime, sondern auf die in der Bundesverfassung verbürgte Religionsfreiheit.» Samuel Geiser
Der Rat der Religionen
Der 2006 gegründete Schweizerische Rat der Religionen vereint mandatierte Vertreter der drei Landeskirchen, der jüdischen Gemeinschaft und islamischer Organisationen. Er fördert die Vertrauensbildung zwischen den Religionen und ist Ansprechpartner für Bundesbehörden in religionspolitischen Fragen.










