Erstellt: 27.08.2008
Religion spielt auch in Politik und Wirtschaft eine Rolle
Neuer Masterstudiengang/ Durch die Globalisierung bekommen die Religionen eine besondere Bedeutung in Politik und Wirtschaft. Mit diesem Thema befasst sich eine neue Ausbildung an der Universität.

Patrizia Kamm hat einen Uniabschluss in Religionswissenschaften. Die 26-jährige Glarnerin ist fasziniert von Religionen: «Wohin man kommt, überall glauben die Menschen an einen Gott.» Ihr Wissen beruflich umzusetzen, ist jedoch schwieriger. «Für Religionswissenschaftler ist es extrem schwierig, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.»

Globalisierung. Mit Interesse hat sie deshalb einen neuen Studiengang entdeckt, der sich mit den Bezügen zwischen Religion, Wirtschaft und Politik befasst. Durch die Globalisierung werden nicht nur Waren oder Dienstleistungen ausgetauscht. Auch den Religionen komme in politischen und wirtschaftlichen Bereichen eine besondere Bedeutung zu. Was das konkret heisst, dafür macht Patrizia Kamm ein Beispiel: «Als im März eine schweizerische Elektrizitätsgesellschaft einen Gasliefervertrag mit dem Iran unterschrieb, warf dieser Handel hohe Wellen.» Unter anderem auch, weil der Iran ein streng islamischer Staat sei.
Um diese Zusammenhänge zu verstehen, setzen sich die Studierenden ein Semester lang vertieft mit jenem Fachgebiet auseinander, in dem sie noch keinen Abschluss haben. Für Patrizia Kamm heisst das, dass sie sich mit den Politik- und Wirtschaftswissenschaften vertraut macht. Im zweiten und dritten Semester wird sie konkrete Themen bearbeiten. Im vierten Semester folgt die Abschlussarbeit.
Mit diesem Masterabschluss hofft Patrizia Kamm, bessere Chancen für einen Job zu haben: «Am liebsten in der Entwicklungshilfe. Hier spielt der Zusammenhang von Religion, Wirtschaft und Politik eine entscheidende Rolle.»

Interdisziplinäres Zentrum. Angeboten wird der neue Masterstudiengang vom Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP), einem Projekt der Universitäten Basel, Lausanne, Luzern und Zürich sowie des Collegium Helveticum. Das Zentrum entstand aus der Idee des Zürcher Theologieprofes- sors Konrad Schmid, die Theologie «aus dem Ghetto der Pfarrausbildung» herauszuholen, wie Reiner Anselm, geschäftsführender Direktor, sagt. Seit 2006 bringt nun das ZRWP Forschende, Professoren und Studierende verschiedener Fach-richtungen zusammen, um Themen mit Religionsbezug zu bearbeiten.

Islamisches Zinsverbot. So wird zurzeit unter dem Titel «Kuppel, Tempel, Minarett» eine Dokumentation über Sakralbauten zugewanderter Religionen in der Schweiz erstellt. Die Zürcher Landeskirche ist am Projekt «Islamic Finance» beteiligt. Dieses befasst sich mit der Frage, wie die Banken Anlagen für vermögende Muslime anbieten können – unter Einhaltung des islamischen Zinsverbots. Matthias Herren

MasterInformationen: www.zrwp.ch