| Erstellt: 25.06.2008 | |
Der Mann des Imperiums. Der Multi Nestlé und das kleine Hilfswerk Heks – das klingt nach unversöhnlichen Gegensätzen. Doch so wie Jesus Matthäus, den Zollpächter des römischen Imperiums, in seinen Jüngerkreis aufnahm, so gibt die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Kirchenbundes (SEK) dem Konzernherrn der Schweizer Nestlé-Gruppe, Roland Decorvet, die Chance, Einsitz in den Stiftungsrat von Heks zu nehmen.
Helfer der Bäuerinnen. Immerhin hat sich der Pfarrerssohn vor Jahren als Nestlé-Direktor in Pakistan beim Aufbau des grössten Milchverarbeitungsbetriebs der Welt für die kleinbäuerlichen Familien engagiert: 5000 Bäuerinnen haben als Lieferantinnen der Nestlé-Fabrik eine Lebensgrundlage erhalten.
Babynahrung. Aber bei den Nestlé-Geschäften in Pakistan gibt es viel Ungereimtes: Nichtregierungsorganisationen werfen Nestlé vor, gegen den Kodex der Weltgesundheitsorganisation bei der Werbung von Babynahrungsmitteln in Pakistan verstossen zu haben. Nestlé weist die Vorwürfe zurück. Aktenkundig ist aber, dass unter der Leitung von Decorvet die Gewerkschaftsrechte mit Füssen getreten wurden.
Deplatziert. Das zeigt: Nestlé, der sich im Marketing-Jargon gerne «The World Food Company» nennt, bleibt umstritten. Es ist für die Hilfswerke sinnvoll, mit den Konzernherren einen Dialog zu führen. Es schadet aber der Glaubwürdigkeit von Heks, einen Nestlé-Manager in den Stiftungsrat zu heben. Bei Heks wirkt ein Nestlé-Manager im Stiftungsrats so deplatziert wie ein Umweltaktivist in einer Erdölgesellschaft. Delf Bucher
«Reformiert.» 27.6.2008






