Peter Schmid, SEK-Ratsmitglied (Bild: ZVG)
Peter Schmid, SEK-Ratsmitglied (Bild: ZVG)
Erstellt: 27.11.2013 10:37:46
Grosse Kantonalkirchen gegen eine diktierte «Einheit von oben»
SEK-Verfassungsrevision/ Die neue Verfassung des Kirchenbunds (SEK) ist umstritten. Die Berner Kirchen befürworten zwar die generelle Absicht, lehnen aber den Weg ab.

Die Vernehmlassungsfrist läuft noch bis Ende November, aber jetzt schon ist klar: Der Vorschlag für eine neue Verfassung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) fällt bei den grossen Mitgliedkirchen durch. Der Aargauer Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg sagte an der Herbst-Abgeordnetenversammlung des Kirchenbunds unumwunden: «Der Prozess ist gescheitert.»

Nicht reformiert. Die Verantwortlichen für den Reformprozess sehen es zwar nicht so drastisch, aber SEK-Ratsmitglied Peter Schmid gibt zu: «Begeisterung herrscht nicht.» Das Ziel, die Mitgliedkirchen untereinander vermehrt zu verbinden und damit die Stimme der Reformierten hörbarer zu machen, wird zwar weitgehend befürwortet, der Weg zu dieser Einheit jedoch kritisiert. Auf Skepsis stösst vor allem die nationale Synode, welche die reformierte Kirche auf Bundesebene repräsentieren würde – und die Stärkung der Rolle des SEK-Präsidenten. «Einheit gibt es nicht ohne die Herzen der Menschen», schreibt beispielsweise der Kirchenratspräsident der St. Galler Kirche, Dölf Weder. Deshalb brauche es ein Zusammenspiel von Kirchenleitung und Basis.

Der Vorschlag widerspreche reformierter Tradition, argumentieren die Berner Kirchen in ihrer ablehnenden Stellungnahme. Zusammenarbeit unter den Kantonalkirchen sei zwar erwünscht, aber die Selbstständigkeit der einzelnen Kirchen müsse gewährleistet bleiben. Ein geistiges Leitungsamt, das vom Präsidium wahrgenommen würde, widerspreche reformierter Tradition. Ähnlich äussern sich auch die Kirchen von Zürich, Aargau und St. Gallen.

Nicht relevant. Über den Verfassungsentwurf wird auch auf der Homepage des SEK (www.sek.ch) diskutiert – durchaus kontrovers. Ein Kirchenmitglied befürwortet den Vorschlag so: «Für die Identität der Basis sind heute Kantonalkirche und SEK nicht relevant.» Es brauche deshalb Kirchenpolitiker, die den Reformierten eine Perspektive böten, «die über den engen Garten hinausreicht». Rita Jost

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