Von links: Kirchenratspräsident Michel Müller, die Pfarrer Jürg-Markus Meier und Christoph Sigrist, Imam Muris Begovic (verdeckt), Felix Reich («reformiert.»), Simon Hofstetter vom Kirchenbund und Rabbiner Yehoschua Ahrens. (Bild: Reto Schlatter)
Von links: Kirchenratspräsident Michel Müller, die Pfarrer Jürg-Markus Meier und Christoph Sigrist, Imam Muris Begovic (verdeckt), Felix Reich («reformiert.»), Simon Hofstetter vom Kirchenbund und Rabbiner Yehoschua Ahrens. (Bild: Reto Schlatter)
Erstellt: 24.10.2013
Steilvorlage für die Toleranz
Begegnung/ Seit der «Euro 08» spielen Pfarrer, Priester, Imame und Rabbiner gemeinsam Fussball. Zurzeit trainiert der FC Religionen für den grossen Auftritt im Stadion Letzigrund in Zürich.

Giovanni Gargiulo weiss, was er im Training erreichen will: «Ich möchte euch einen vernünftigen Innenrist-Pass beibringen.» Der frühere Erstliga-Trainer beim FC Küsnacht und FC Red Star tritt in grosse Fussstapfen. Sein Vorgänger als Coach des FC Religionen war kein Geringerer als der Ex-Internationale Andy Egli. Aber «Giovi» meint bei der Besichtigung der Letzigrund-Arena lächelnd: «Ich habe ein gesundes Selbstvertrauen.»

Fernsehspiel als Vorspiel. Auf dem Rasen der Zürcher Topklubs wird am 3. November sein neues Team gegen den FC Gemeinderat Zürich antreten, gleich im Anschluss an die Super-League-Begegnung GC gegen YB.

Das Spiel eröffnet die «Woche der Religionen» – sie wird vom Zürcher Forum der Religionen organisiert, einer Arbeitsgemeinschaft, welche sich für das friedliche Zusammenleben im multikulturellen Zürich und das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen einsetzt. Der FC Religionen, wo Pfarrer, Imame und Rabbiner als Mannschaft gut zusammen spielen, verkörpert das interreligiöse Fairplay auf anschauliche Weise. Entstanden ist das Team 2008 im Umfeld der Fussball-EM: Damals wurde vom Rat der Religionen für das ökumenische Projekt «Kirche 08» ein Match zwischen einem Team von Geistlichen und dem FC Nationalrat organisiert. Die «Religiösen» spielten sich gute Pässe und Steilvorlagen zu und fertigten die National- und Ständeräte mit 6:1 ab.

Trumpf aus dem Wallis. Vom Erfolg beflügelt, kam es auf Initiative von Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist zu weiteren Auftritten. «Das ist wichtig», sagt Sigrist: «Auf dem Rasen finden zwischen Theologen andere Gespräche statt als am Tisch.» 2010 trat die Auswahl gegen den FC FIFA an – verlor aber hoch mit 8 : 1. Auch gegen den FC Pöschwies setzte es eine Kanterniederlage ab. Mit neuem Trainer soll nun wieder ein Sieg her.

Spielerpotenzial ist da, wie das erste Training im Letzigrund am 3. Oktober zeigte. Da ist etwa der in Wattwil aufgewachsene Muris Begovic, Imam der islamischen Gemeinschaft Bosniens in Schlieren. Begovic war Spieler und Trainer der Wattwiler Junioren. In seinem Team damals: Elsad Sverotic, der spätere YB- und Fulham-Star. Jürg-Markus Meier, reformierter Pfarrer in Dübendorf, war aktiver Fussballer in der 5. Liga, Ernesto Ferro, Mitglied der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, spielte in der 4. Liga. Und der reformierte Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller kann immerhin auf Erfahrungen als Hobbyfussballer zurückgreifen – und auf die Tatsache, dass in Thalwil der heutige FC-Luzern-Stürmer Adrian Winter sein Konfirmand war. Der stärkste Trumpf aber fehlte beim ersten Training: Damian Pfammatter, katholischer Jugendseelsorger im Oberwallis. Der Juniorentrainer und aktive Senior des FC Visp war früher Nationalliga-Spieler. Thomas Illi


Das Spiel.
FC Religionen gegen FC Gemeinderat. Sonn­t­ag, 3. November 2013, 18 Uhr, Stadion Letzigrund in Zürich