Sandra Kunz (Bild: zvg)
Sandra Kunz (Bild: zvg)
Erstellt: 27.07.2012
Ohne Demut geht nichts
Auf ein Wort, Frau Pfarrerin/Zwölf launige Fragen an Sandra Kunz-Probst, 44, Pfarrerin in Roggwil

Tragen Sie im Gottesdienst einen Talar?
Ich besitze zwar einen schönen, massgeschneiderten, trage ihn aber selten. Lieber ziehe ich etwas an, das zu meiner Tagesform passt – und somit auch zu meiner Predigt.

Welches Buch nehmen Sie mit auf die Insel – nebst der Bibel natürlich?
Nur eins? Das schaffe ich nicht. Schon in die Ferien kommt eine Tasche voll mit: einige von Franz Hohler, «Die Enden der Welt» von Roger Willemsen, «Der Hase mit den Bernsteinaugen» von Edmund de Waal und zwei, drei rassige Krimis.

Schon mal eine Predigt abgekupfert?
Sicher. Wenn du unter der Woche drei Abdankungen hattest, kann es vorkommen, dass du am Samstag vor dem Laptop sitzt und nur noch eines wahrnimmst: Leere. In solchen Momenten auf eine Predigt eines befreundeten Pfarrers zurückzugreifen, kann sehr hilfreich sein.

Wen hätten Sie schon lange mal bepredigen wollen?
Einen ignoranten Politiker oder eine menschenunfreundlich agierende Managerin? Denn ich bin überzeugt: Ohne (christliche) Solidarität und ohne Demut vor dem Schöpfer alles Lebendigen geht früher oder später gar nichts mehr.

Ist schon mal jemand aus einem Gottesdienst von Ihnen gelaufen?
Höchstens um kurz auf die Toilette zu gehen oder weil ihr nicht gut war oder das Handy klingelte.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Ganz ehrlich? Ein wenig wie meinen Grossvater: Er war der menschenfreundlichste Mensch, dem ich je begegnete. Etwas theologischer: «Der Herr aber ist der Geist und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit» (2. Kor. 3, 17).

Welches ist Ihre Lieblingsbibelstelle?
Siehe oben.

Welchen Text möchten Sie gerne aus der Bibel streichen?
Keinen. Die Bibel ist lebendiges Zeugnis vieler von Gott berührter Menschen. Das macht sie spannend – und stellt sie mitten ins Leben.

Wie spricht Sie a) der Sigrist, b) die Konfirmandin, c) die Frau im Coop an?
a) Sandra, b) Frau Kunz, c) Sandra, Frau Kunz oder Frau Pfarrer.

Was wären Sie geworden, wenn nicht Pfarrerin?
Wahrscheinlich Lehrerin.

Haben Sie – an einer Party oder in den Ferien – Ihren Beruf schon verleugnet?
Vielleicht, wenn ich gerade nicht erklären mochte, wie ich zu diesem Beruf gekommen bin und warum ich ihn (trotz sinkender Mitgliederzahlen und hie und da spärlich besuchten Gottesdiensten) liebe.

Singen Sie im Sonntagsgottesdienst vor dem 1. August jeweils mit der Gemeinde den Schweizerpsalm? Immerhin ist er ja unter Lied 519 im reformierten Kirchengesangbuch zu finden.
Nein. Es gibt zu viele Lieder, die mir besser gefallen oder auch besser zu meinen Predigten passen. Wird der Schweizerpsalm an einem Anlass angestimmt, singe ich aber mit.

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