| Erstellt: 29.06.2012 | |
Wenn kirchliche engagierte Jugendliche Filme mit biblischen Themen drehen – kommt das nicht brav und langweilig heraus? Mitnichten. Auf der DVD «Ein Wort wie Feuer III», die von den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn herausgegeben wurde, findet sich unter den sechzehn Kurzfilmen auch «Kompost Klon Futter» von Jugendlichen aus der Kirchgemeinde Köniz: Vier Jugendliche werden darin von zwei Männern entführt und in eine Art Luftschutzbunker eingesperrt, in dem sie von einem schmatzenden und fauchenden «Kompostmonster» bedroht werden. Weil sie dieses schliesslich mit einer Art Sprechgesang zähmen können, gelingt ihnen die Flucht vor den zwei Entführern, die sie ständig mit Webcams überwacht hatten.
Überraschend. Mit diesem Film haben sich die Könizer Jugendlichen mit der Geschichte von Daniel in der Löwengrube (Daniel 6, 23) auseinandergesetzt. Ist die Überwachung durch Webcams wohl eine Art moderne Löwengrube, die Anfreundung mit dem Monster eine Art, sich dem Bösen zu widersetzen? Er wisse es auch nicht genau, räumt Manuel Münch, Beauftragter Jugend der reformierten Berner Kirchen ein. «Auf der DVD hat es Filme, die überraschen und irritieren. Das darf sein. Die Jugendlichen verarbeiten die biblische Geschichte eben mit ihren ganz eigenen Bildern.»
Existenziell. Das Videoprojekt «Ein Wort wie Feuer» läuft seit sechs Jahren. Pfarrer, Katechetinnen und Jugendarbeiter aus den Gemeinden können sich mit ihren Klassen und Jugendgruppen dafür bewerben, erhalten eine Schulung und werden während des zweitägigen Drehs gecoacht von einem Regisseur, der den Film am Ende auch schneidet. Ziel sind laut Münch aber nicht perfekte Filme, sondern dass sich die Jugendlichen mit der Bibel und mit eigenen Lebensfragen auseinandersetzen. Münch lancierte für die Berner Kantonalkirche schon Jugend-Videoprojekte über Gewalt und ausländische Mitmenschen, die teils mit Preisen ausgezeichnet wurden. Heute ist der Religionspädagoge überzeugt, dass sich biblische Geschichten für die Jugendarbeit besonders gut eignen: «Die Bibel dreht sich um existenzielle Themen, die auch heute noch gültig sind.» Darum fänden Jugendliche eigene Alltagsfragen darin wieder. Es sei allerdings wichtig, dass die Pfarrerinnen und Katecheten die Jugendlichen an die Geschichten heranführten.
Tröstlich. So wird die Geschichte von Kain und Abel in den Videos zu einer Auseinandersetzung über Geschwisterrivalitäten, Neid und Konkurrenzdenken. Der barmherzige Samariter ist ein Teenager, der seiner Mitschülerin hilft, die von Kollegen zusammengeschlagen und mit dem Handy gefilmt wurde. Und ein Jugendlicher merkt, dass man auch ohne Trostpille getröstet werden kann, wie es Matthäus 5, 4b verspricht. Die Kurzfilme sind auch – aber nicht nur – für Pfarrer und Jugendarbeiterinnen zum Einsatz im Unterricht gedacht. sas
«Ein Wort wie Feuer» I, II und III erhältlich bei: Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Tel. 031 385 16 16, bildung (at) rebejuso.ch. Kosten pro DVD: Fr. 20.–










