Michael Rahn (Bild: zvg)
Michael Rahn (Bild: zvg)
Erstellt: 29.06.2012
«Ich liebe den Gottesdienst»
Auf ein Wort, Herr Pfarrer / Elf launige Fragen an Michael Rahn, 45, Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen

Warum wurden Sie Pfarrer?
Ich wuchs in einem religiösen Umfeld auf und interessierte mich schon als Teenager für Theologie. Ich wollte mit der Bibel arbeiten und mit Menschen, wollte etwas bewegen. Als Pfarrer kann ich all das.

Wie reagierte Ihr Umfeld auf Ihren Berufswunsch?
In meiner Familie bin ich nicht der erste Pfarrer. Schon mein Grossvater und Urgrossvater hatten diesen Beruf. Auch für meine Kollegen kam es nicht überraschend. Die wussten, dass der Rahn ein wenig fromm ist.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Den Gottesdienst. Dort kann ich Menschen und die Bibel miteinander in Beziehung bringen. Er ist für meine Spiritualität sehr wichtig.

Was bereitet Ihnen Mühe?
Die Situation in den Kirchen: Es wird zu viel um den Verlust von Mitgliedern, Einfluss und Geld getrauert. Dabei ist klar: Diese Zeiten sind vorbei. Wir sollten uns auf die Zukunft konzentrieren.

Worüber predigen Sie am liebsten?
Über die Themen, die anlässlich von Festtagen und Taufe, Hochzeit, Bestattung oder Konfirmation anfallen. Da ist der Bezug gegeben. Gern lasse ich mich auch von Bibelstellen herausfordern, die auf den ersten Blick nicht zugänglich sind, kürzlich etwa vom Thema Demut in 1. Petrus, 5.

Welches ist Ihre Lieblingsbibelstelle?
Spontan kommt mir mein Konfirmationsspruch in den Sinn: «Werft eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt für euch.» Dieses Gottvertrauen ist mir sehr wichtig.

Welchen Text möchten Sie gerne aus der Bibel streichen?
Keinen. Die Bibel wurde nun mal so verfasst, in diesem historischen Kontext. Doch ich könnte gut ohne einige Stellen leben. Ich denke da zum Beispiel an Paulus Worte zur Position der Frau und seine Ablehnung der Homosexualität.

Woher ausser der Bibel nehmen Sie Inspiration für Ihre Predigten?
Aus dem Tagesgeschehen und gesellschaftlichen Trends. So überlegte ich in Zusammenhang mit dem Thema «Demut» beispielsweise, was einen guten Chef ausmacht.

Wo tanken Sie Kraft für Ihre Arbeit?
Ich arbeite bewusst nur fünfzig Prozent als Pfarrer. Daneben kümmere ich mich um Haushalt und Kinder und die Arbeit in der Synode. Ausserdem mache ich Orientierungslauf. So finde ich Ausgleich.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Ich betrachte ihn als ein Wesen, zu dem man eine Beziehung aufbauen kann. Gott ist nicht allzu menschlich, kein Mann mit Bart, aber doch ein personifiziertes Gegenüber.

Was wären Sie geworden, wenn nicht Pfarrer?
Vielleicht Journalist. Jetzt bin ich immerhin Presseverantwortlicher des OL-Clubs.