| Erstellt: 22.12.2012 17:10:04 | |
Pfarrer Hans-Peter Schreich aus Valchava ist ein passionierter Übersetzer. Seit dreissig Jahren übersetzt er religiöse Texte vom Deutschen ins Romanische. Seit zehn Jahren sind seine Übersetzungen jedoch nicht mehr im Idiom Vallader, sondern in der Standardsprache Rumantsch Grischun. Pünktlich zum Jubiläum dreissig Jahre Rumantsch Grischun kann Schreich genau dreissig übersetzte Lehrmittel für den Religionsunterricht vorweisen. Es sind biblische Hefte zum Ausmalen, kleine Biografien religiös engagierter Personen für Erst- bis Drittklässler, biblische Lektüre für ältere Kinder oder historisch-religiöse Werke für die Schülerschaft der Oberstufe. eins haben die Bücher und Hefte gemeinsam: eine attraktive Aufmachung, die zum Lesen animiert.
Engagement. Angefangen hatte alles mit den Diskussionen rund um die Einführung von Rumantsch Grischun als Alphabetisierungssprache. Die Val Müstair gehört zu den Pioniergemeinden, welche 2007 Rumantsch Grischun als Alphabetisierungssprache eingeführt hatten. Da jedoch Schule und Kirche voneinander getrennte Bereiche sind und weder die romanische Dachorganisation Lia Rumantscha noch die Evangelisch-reformierte Landeskirche Interesse an religiösen Lehrmitteln in Rumantsch Grischun zeigten, wurde Schreich selber aktiv. Unterstützt wurde er dabei von seinem Kirchgemeindevorstand. Die Übersetzungsarbeiten gelten als Teil der Vorbereitung zum Religionsunterricht. Publiziert werden die Werke unter dem Namen Pravenda evangelica Valchava. Einen Gewinn macht Schreich mit seinen Übersetzungen nicht, dafür erhält er interessantes Schulmaterial. Die Übersetzungen sind für ihn die kleinste Arbeit, viel mehr Aufwand brauche es für den administrativen Teil: Korrekturen, Anfragen für die Rechte, die Beschaffung von Geldmitteln. Finanziell unterstützt wird er von verschiedenen Seiten, von der Privatperson über Kirchgemeinden bis zu den beiden Landeskirchen des Kantons.
Motivation. Die neuesten Ausgaben sind in diesem Jahr erschienen. Es handelt sich um ein illustriertes Heft über Johannes den Täufer, eines über Maria Magdalena, um das Evangelium einmal aus Sicht einer Frau zu sehen, sowie Legenden von Franz von Assisi. «Ich mag schöne Bücher und arbeite gerne mit gutem Unterrichtsmaterial», sagt Schreich über seine Motivation, immer wieder Übersetzungen herzustellen. «Unsere Religion ist eine Religion des Buches», ergänzt der Pfarrer. Als Altruist sehe er sich aber nicht. Er mache die Übersetzungen in erster Linie für den eigenen Gebrauch. «Wenn sie sonst noch jemandem nützen, umso besser.»
Zuversicht. Im März dieses Jahres haben die Stimmbürger der Val Müstair mit einer deutlichen Mehrheit entschieden, dass das Idiom Vallader wieder Einzug in die Schulzimmer halten soll. In der Schule wird Rumantsch Grischun also nicht mehr gelernt. Trotzdem will Schreich mit seinen Übersetzungen weiterfahren. «Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Rumantsch Grischun die Sprache der Zukunft sein wird», meint der Pfarrer. Rein aus finanzieller und politischer Sicht habe das Idiom als Schulsprache langfristig keine Chance, so seine Ansicht. Im Moment ist Schreich aber nahezu der Einzige, der seine Übersetzungen aktiv im Unterricht verwendet. Einzelne Katecheten gehören noch zu seinen «Kunden». Die Ausmalbücher finden grossen Anklang. Schreichs nächstes Projekt sind Werke zum Thema Juden, für die Oberstufe. «Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit jemandem dienen kann, mit oder ohne Rumantsch Grischun als Alphabetisierungssprache», sagt der Pfarrer. Fadrina Hofmann Estrada
Alle dreissig Werke in Rumantsch Grischun sind bei Pravenda Evangelica in Valchava erhältlich










