| Erstellt: 12.06.2012 13:36:51 | |
Vor 65 Millionen wurden die Dinosauriere ausgerottet, und die Säugetiere eroberten machtvoll den Planeten Erde. Nun wird befürchtet, dass es den Säugetieren an den Kragen geht. Die bei Genf domizilierte «Internationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen» (IUCN) warnte unlängst, dass von 3800 bekannten Säugetieren 25 Prozent vom Aussterben bedroht seien. Eine Spezie haben die Artenvielfaltswächter allerdings vergessen: den reformaticus helveticus. Dieser, der Schweizer Reformierte nämlich, ist hingegen Gegenstand der Betrachtung des Bundesamts für Statistik. Das Bundesamt wird in der nächsten Woche bekannt geben, zu welchen Konfessionen sich Herr und Frau Schweizer bekennen. Viele kirchliche Insider fürchten, die Schwundstufe der Reformierten werde jener der Säugetiere auf dem IUCN-Index nicht ganz unähnlich sein.
Manche Frommen werden sagen: Das Aussterben der helvetischen Reformierten ist für das weltweit 2,2 Milliarden Menschen zählende Christentum so gleichgültig wie das Aussterben der Kuba-Stummelschwanzferkelratte im 19. Jahrhundert für das globale Ökosystem. Nicht einmal ein Bekenntnis haben die Schweizer Reformierten. Mehr Zweifler als Fromme finden sich unter dieser kleinen Schar. Der Schrumpfprozess bei den Reformierten wird bei weitem aufgewogen durch die protestantischen Zugewinne in China und Afrika – meist charismatischer und pfingstlerischer Gesinnung.
Doch im Himmelreich braucht es neben der Glut der Frommen auch die nüchternen Verstandesmenschen und skeptischen Gottessucher. Und es besteht die Hoffnung: Das kleine Häuflein aufrechter Reformierter wird in naher Zukunft in der protestantischen Christenheit wirken wie der Sauerteig im gleichnamigen Gleichnis von Jesus. Dort schafft es das winzige Quäntchen Sauerteig, die Masse Mehl im Brottrog aufgehen zu lassen.
Delf Bucher



