| Erstellt: 25.05.2012 | |
Man suche sich einen passenden Gott und komme mit ihm ins Geschäft: Wenn du mir meine Wünsche erfüllst, etwa eine sichere Reise, einen guten Geschäftsabschluss, reichen Kindersegen, dann bekommst du etwas Gutes zurück.
Verbrannt. So dachten Herr oder Frau Römer, nahmen daheim ihre zuständige kleine Götterstatue aus der Nische, neben dem Herd, und opferten. «Hier allerdings wurde es kompliziert», sagt die Zuger Ausstellungskuratorin Dorothea Hintermann, denn: Opfer mussten genau nach Vorschrift gebracht werden, sonst funktionierten sie nicht.
Die Reihenfolge geht so: Zuerst reinigen Herr oder Frau Römer sich selbst. Dann räuchern sie den Raum und verschütten Wein, sprich: bringen ein Trankopfer. Zuletzt opfern sie ihre Haupt-Gabe. In den Tempeln konnte das ein geschlachtetes Tier sein, im römischen Haus war es vielleicht ein Kuchen, den sie rituell (und vorsätzlich!) verbrannten.
Verehrt. «Merkur & Co.» heisst die kleine Ausstellung zur Religionspraxis in römischen Häusern. Sie wurde ursprünglich in Zug und Augst entwickelt, Dorothea Hintermann und Debora Schmid sind ihre Macherinnen. Für Chur wurde sie geändert. Die Ausstellung beginnt in der Welt der Götter. Aufgehängte T-Shirts präsentieren ihre Namen, Eigenheiten, Zuständigkeiten. «Diesen Teil der Ausstellung haben wir neu geschaffen», sagt die Churer Projektleiterin Andrea Kauer. Auch das heutige Wohnzimmer, am Ende der Ausstellung, wurde von ihr bestückt. Was in Rom die Götterstatue war, ist bei uns vielleicht das Erinnerungsfoto, der indianische Traumfänger, die Überwachungskamera oder der Talisman.
Verdrängt. «Römische Religion war ein Geschäft, ein Kuhhandel», erklärt Dorothea Hintermann, «Fragen nach Erlösung oder ein Leben nach dem Tode waren den Römern fremd.» Einige Jahrhunderte lang funktionierte das sehr erfolgreich. Götter von eroberten Völkern wurden einfach in die römische Göttervielfalt integriert. Der Niedergang begann, als orientalische Erlöserreligionen sich im Römischen Reich verbreiteten: der Mitraskult, das Christentum. Offenbar befriedigt Religion als Geschäftsmodell auf die Dauer nicht und Menschen suchen den tieferen Sinn ihres Daseins. Im 4. Jahrhundert jedenfalls wird das Christentum von Kaiser Theodosius zur Staatsreligion erklärt, die römische Religion verschwindet in den Untergrund.
Übrigens: Den archäologischen Funden nach war Merkur in der Schweiz der beliebteste Gott, zuständig für Geld und Handel. «Offenbar waren die Leute hier früher sehr geschäftstüchtig …», kommentiert Dorothea Hintermann. Reinhard Kramm
| Merkur & Co. Die Ausstellung ist zu sehen im Rätischen Museum, Hofstrasse 1, Chur, geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Sie dauert bis 5. August 2012. Öffentliche Führungen am 12. Juni (18 Uhr), 10. Juli (12.15 Uhr), 24. Juli (18 Uhr). www.raetischesmuseum.gr.ch |










