| Erstellt: 30.04.2012 17:49:10 | |
Unvorstellbar: kein Kuhgebimmel auf saftigen Alpweiden, keine Sennen und kein Käsefondue. Genau das wollen die Veganer. Am «Tag der Milch» (28. April) wollten sie die Milch versauern, das Joghurt und Käseessen Herrn und Frau Schweizer vermiesen. Mit Standaktionen streuten ihre Botschaft: «Ohne Kälber keine Milch. Milchkühe gebären jedes Jahr ein Kalb, welches ihnen kurz nach der Geburt entrissen wird. Die Milch nimmt sich der Mensch. Das Kalb wird getötet und zu Fleisch verarbeitet. 300’000 Kälber sind es pro Jahr in der Schweiz.»
300'000 Kälber – das schockiert auch mich. Aber die Vorstellung von einer Schweiz ohne blühende Matten und ohne das Muhen der Kühe beelendet mich ebenfalls. Wenn nun die Veganer keinen Honig von Bienen, keine Eier von Hühnern und keine Shakes von Milchkühen wollen, bleibt ihnen nur das Gemüse. Und schon befinden wir uns in einem ethischen Teufelskreis: Ist das Leben der Kuh mehr wert als das der Pflanze?
Lassen wir aber die ethische Güterabwägung beiseite und treiben das radikale Gedankenexperiment weiter und stellen uns eine Welt ohne Viehzucht vor. Die Bibel wäre anders geschrieben worden: Die Geschichten rund ums Opferlamm wie Abel und Kain, Abraham und Isaak gäbe es nicht. Und am Ende der Kette wäre Jesus, der sich selbst als grösstes Opfer hingegeben hat, um alle Tieropfer zu erübrigen, unvorstellbar.
Jesus weist mit seinem Gleichnis vom guten Hirten darauf hin, dass jedes einzelne Schaf eine besondere Achtsamkeit verdient. Natürlich ist die Jesus-Parabel auf uns Menschen gemünzt. Damit sie aber funktionieren kann, braucht sie das Vorbild von Hirten, denen tief im Herzen das Erbarmen mit der lebendigen Kreatur eingegraben ist. Die industriell organisierte Tierzucht hat diese Empathie fürs Tier ausgelöscht. Der gute Hirte – oft, das behaupte ich, findet man ihn auf Schweizer Alpen – ist aber eine Lösung, um den Allesfresser Mensch und die vor vielen Tausend Jahren domestizierte Tiere wieder friedlich zusammenzubringen. Delf Bucher



