| Erstellt: 20.02.2012 17:19:52 | |
Zwei Monate ist’s her, da schrieb ich an dieser Stelle, dass ich ein Jahr lang kein Kleidungsstück kaufe, um Verzicht zu üben. Letzte Woche musste ich das Gelübde leider vorübergehend brechen. Für etwas, das ich 38 Jahre nie gebraucht habe. Ich fuhr Ski bei 22 Grad minus. Ich hatte meinen Schal unter die Sonnenbrille geklemmt, um mein Gesicht vor der arktischen Kälte zu schützen. Doch die Wollfusel gerieten mir immer wieder in die Augen, weshalb ich den Schal manchmal etwas herunterzog, weshalb er mir wiederholt unters Kinn sackte, und mein Gesicht innert Sekunden vor Kälte weh tat. Da sagte einer auf dem Sessellift: «Kaufen Sie doch eine Sturmhaube!»
Im Laden der Gondelstation schaute ich diesen Strumpf, den man über den Kopf zieht, und der die Augen freilässt, an und überlegte: Darf man ein Gelübde ein kleines bisschen brechen wenn man es danach umso entschiedener fortführt? Ist es danach noch eines? Ich nahm mir vor, daheim im Internet eine Antwort zu suchen, die Haube aber schon mal zu kaufen für den Fall, dass die Antwort für einen ausserordentlichen Erwerb sprechen würde. Doch das Internet konnte mir nichts dazu sagen (und die Bibel zu durchforsten hätte zu lange gedauert). So machte ich mir meine eigene Meinung. Die lautet: Mein Gelübde ist immer noch eins. Hätte ich nämlich gewusst, dass am nächsten Tag die Temperaturen steigen und ich das Ding gerade mal eine Halbtageskarte lang aufhaben würde, hätte ich es NIE gekauft. Und hätte der Typ auf dem Sessellift das Thema nicht erwähnt, wäre es mir NIE in den Sinn gekommen. Mir wurde es sozusagen aufgezwungen.
Anouk Holthuizen



