| Erstellt: 10.09.2010 | |
Wenn es im Juni endlich Nacht wird, ist auf einigen Wiesenstücken rund um die Zürcher Kreuzkirche ein zauberhaftes Schauspiel zu sehen: Glühwürmchen tanzen dort als blinkende Lichter über dem Gras. Sie sind aus den Larven ausgeschlüpft, die sich in der Erde aus den Eiern entwickelt hatten, und die Weibchen werden nach der Befruchtung dort ihre Eier in den Wiesenboden legen. Es ist ein Prozess, der drei Jahre dauert.
Mikrokosmos. Zwei Stunden lang leuchten die Glühwürmchen, von zehn bis zwölf Uhr, und das bloss während zehn Tagen – eine Attraktion, die der Sigristin Barbara Thommen aber auch Sorgen bereitet, dann nämlich, wenn Zuschauer die Wiese betreten und damit den Lebensraum der Tierchen gefährden. Rücksicht ist jedoch auch dann angebracht, wenn von ihnen nichts zu sehen ist. Sie sind dennoch da, sie und unzählige andere Wiesenbewohner: Spinnen, Ameisen, Schnecken, Käfer und dazu unterschiedlichste Pflanzen teilen mitein- ander diesen Lebensraum, sie nützen und sie fressen sich. Dass die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten im Umschwung der Kreuzkirche besonders gross ist, hat auch mit den Glühwürmchen zu tun. Ihnen zuliebe wird die Wiese seit langem nur zweimal im Jahr mit Balkenmäher und Sense gemäht. Das kräuterreiche Heu wird übrigens von einem Bauern als hochwertiges Futter sehr geschätzt.
Die ganze Anlage um die Kreuzkirche ist zwar architektonisch klar gestaltet – der Bepflanzungsplan von 1903, aus der Bauzeit der Kirche, hat wieder Gültigkeit. Aber einen «schönen» Rasen gab es hier nie. Biodiversität konnte sich darum erhalten, bevor sich der Begriff durchsetzte. Und Erwin Peter, der das Gelände betreut, will zeigen, dass Artenvielfalt auch ohne grosse Investitionen gefördert werden kann – mit Geduld, Aufmerksamkeit und sorgfältiger Pflege.
Biotop. Auch in Schwamendingen sind sich die Verantwortlichen der Kirchgemeinde bewusst, dass der Umschwung um die kirchlichen Gebäude viel zur Lebensqualität im Quartier beiträgt. Hier ist eine grüne Insel zu finden, nur ein paar Minuten vom Schwamendingerplatz mit seinem hektischen Verkehr entfernt. Vor ein paar Jahren haben Freiwillige ein Biotop ausgehoben. Nun haben sich Frösche und ein Entenpaar eingestellt. Und die Menschen kommen zum Schauen, zum Plaudern, und manchmal ist hier auch Kirchenkaffee. kk








