| Erstellt: 15.06.2012 | |
Profitiert. Die Welle sei verebbt, sagt Nicolas Mori, Sprecher der Zürcher Landeskirche. 2007 und 2008 hatte die Zuwanderung aus Deutschland die Mitgliederverluste fast kompensiert. Auch die Reformierten profitierten also kurz von der Migration. In den Folgejahren jedoch verlor die Zürcher Kirche 3800 Mitglieder.
Rückläufig. Vor fünf bis zehn Jahren war noch jeder zweite Pfarrer, der sich auf eine Stelle im Kanton Zürich bewarb, ein Deutscher. Heute haben von 448 Pfarrerinnen und Pfarrern 56 einen deutschen Pass, was einer Quote von 12,5 Prozent entspricht. In den Kirchenpfle- gen ist die Tendenz hingegen steigend. Die Auswirkungen des neuen Kirchengesetzes werden erst bei den nächsten Wahlen spürbar, weil die Kandidatensuche vielerorts abgeschlossen war, als das Ausländerstimmrecht in Kraft trat. 2010 wurden 19 Ausländer gewählt.
Gefragt. Dass die Deutschen als Kirchenmitglieder gefragt sind, zeigt ein Informationsblatt, mit dem sich Wallisellen an alle «evangelischen Zuzüger aus Deutschland» wendet: Empfohlen wird, sich bei der Einwohnerkontrolle als «evangelisch- reformiert» eintragen zu lassen, sofern sich die Einwanderer «als evangelisch empfinden und nicht explizit am lutherischen Bekenntnisstand hängen».
Ähnlich. Die Landeskirche hat sich zudem mit den Einwohnerkontrollen auf ein Papier geeinigt, das verhindern soll, dass Deutsche als konfessionslos erfasst werden, weil sie mit dem Begriff «reformiert» wenig anfangen können. In den theologischen Kernthemen unterscheiden sich Reformierte und Lutheraner kaum. Die grösste Differenz besteht im Verständnis des Abendmals. Während die Lutheraner von einer realen Anwesenheit von Leib und Blut Christi in der Abendmahlsfeier ausgehen, feiern es die Reformierten als Gedächtnismahl. Liturgisch orientieren sich Reformierte streng an der Bibel und lehnen die Riten der alten Kirche ab. Die Lutheraner wiederum kennen Kruzifixe und zahlreiche Riten. Sie haben Bischöfe und sind in ihrer Organisation weit stärker von der Obrigkeit bestimmt als die demokratisch aufgebaute reformierte Kirche.
Fusioniert. Die «Unierten» sind aus der Verschmelzung beider Kirchen hervorgegangen – eine Folge von Grenzverschiebungen während der Napoleonischen Kriege. fmr/bu








